Rezensionvon Sandra Miriam Schneider |
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zu den beiden Bänden
„Tröpfchens
Abenteuer“ und „Tröpfchens Weltreise“
Autorin: Sabine Salz
erschienen im TiSa Verlag Neu-Isenburg
Von Tröpfchenzauber und Feuertröpfchen
Ich gestehe, ich bin etwas skeptisch, als ich die Bücher zum ersten Mal in der Hand halte: das Thema als solches... Wassertröpfchen mit einem „Kern“*... Kinderzeichnungen... die Botschaft „Wasser ist wichtig für das Leben!“
Doch ich bin schnell fasziniert. Ich spüre die Begeisterung der Autorin Sabine Salz und die der Kinder, die sich von den Geschichten zu ihren Zeichnungen haben inspirieren lassen. In diesem zweiten Band verbinden sich Wort und Bild sogar besonders gut. Eine Einheit, die besonders zum Selberlesen motiviert.
Durch insgesamt rund 150 Seiten reisen wir mit den Tröpfchen durch die Welt. Alle Tröpfchen lieben Kinder und ihre Mission lautet, Kinder, Erwachsene, Tiere und Pflanzen zu schützen. Unsere Heldin ist Rose, das Tröpfchen mit dem guten Herzen. Dann gibt es noch die neugierig-freche Anne, viele andere Freunde und nicht zuletzt die weise Helma, deren Geheimnis einem den Atem stocken lässt.
Die Tröpfchen sind Figuren mit jeweils einer Haupteigenschaft. Dennoch blitzt manchmal eine neue Charakterfacette auf. So ist „die zickige Lotte“ beispielsweise beschämt über ihr Verhalten, als sie merkt, dass ihre Freunde ihr trotzdem aus der Patsche geholfen haben. Eine solche charakterliche Erweiterung hätte ich mir auch bei Rose gewünscht, die ausnahmslos lieb und gut bleibt.
Doch auch Menschenkinder kommen in den Geschichten vor. Der kleine Arthur beispielsweise, der mit Angina im Bett liegt und im Fiebertraum erkennt, welche Schwerstarbeit die Tröpfchen gerade in seinem Körper zu leisten haben.
Die Geschichten sind immer dann besonders gelungen, wenn sie die verschiedenen Ebenen miteinander verbinden: den konkreten Wasserkreislaufaspekt und die dazu passende Frage („Wie haben die Menschen eigentlich früher ohne Kühlschrank gelebt?“), spezifische Bilder („in der Tropfsteinhöhle glitzern Eiskristalle und warten seit Jahren, dass die Sonne sie endlich erwärmt“) und damit assoziierte Themen („Zeit“). Es gefällt mir, wenn die Sprache zu kleinen Rätseln anregt (Was sind Feuertröpfchen? Richtig: Löschwasser, wenn es brennt)und wenn ich Formulierungen lese wie beispielsweise folgende: „kleine Eiskristalle, die im Sonnenschein tanzen und das Licht spiegeln und brechen, dass sogar Pinguine kurz ihr Spiel unterbrechen“ (Richtig: Tröpfchenzauber!). An solchen Stellen entwickelt das Buch sprachlich eine poetische Kraft.
Ich mag auch die philosophischen Aspekte wie beispielsweise die Verwandlung von Tröpfchen Paul, der - hinter einem Flugzeug geboren – Ruß und Straßenstaub mit sich herumschleppt, und entsprechend schwarz und traurig ist. Beim Waschen nutzt er die Chance und verschwindet winkend: „Ich werde immer Paul heißen, auch wenn ich anders aussehe. Denkt immer daran, wenn ihr mich sucht!“ Und tatsächlich finden ihn die Freunde später wieder: am Lago Maggiore. Dort sehen sie einen Wassertropfen mit einem Sonnentierchen als Kern: das ist Paul, nicht mehr schwarz, nicht mehr traurig.
Die einzelnen Abenteuer sind in sich abgeschlossen, mit so viel Spannung wie notwendig, so viel Harmonie wie möglich und alle mit einem guten Ende. Sie erfüllen den Wunsch nach märchenhaften Geschichten und zeigen eine Welt, in der alles in Ordnung ist oder zumindest sehr schnell wieder in Ordnung gebracht werden kann. Auch wenn das bei Abenteuern, in denen afrikanische Dürrekatastrophen und Überschwemmungen vorkommen, etwas grenzwertig sein mag, so ist es dennoch ein mutiger Schritt der Autorin Sabine Salz, durch solche streitbaren Aspekte ihr Thema konsequent ernst zu nehmen und durchaus auch globales Denken und ökologisches Bewusstsein einfließen zu lassen.
Auf diese Weise sammeln Kinder von Abenteuer zu Abenteuer im wahrsten Sinn des Wortes tröpfchenweise Wissen ohne jeden Zeigefinger-Aspekt. Sie wollen vielleicht nicht wissen, wie der Wasserkreislauf funktioniert. Aber sie wollen wissen, ob es Rose, Anne, Helma und den anderen beispielsweise gelingen wird, das Feuer zu löschen.
Ach ja, fast hätte ich Helmas Geheimnis vergessen: Vor langer, langer Zeit war sie ein Eiskristall auf einem anderen Planeten unseres Sonnensystem (um genau zu sein: der Südpol des roten Mars). „Im Weltall gibt es viel mehr Wasser und Leben, als ihr denkt,“ verrät sie uns am Ende des zweiten Bandes. Verspricht das einen dritten Band? Ich bin gespannt!
P.S.: Der Begriff „du armer Tropf“ hat für mich bereits jetzt einen ganz anderen Klang.
Sandra Miriam Schneider
Die Rezensentin
ist Dozentin für Kreatives Schreiben, Schreibcoach und Gründerin der Literaturschneiderei
Berlin.
Sie ist freiberufliche Rezensentin und Kolumnistin sowie Fortbildungsreferentin
für Deutschland liest vor e.V.
Als Buchhändlerin war sie jahrelang Kinderbuchabteilungsleiterin und hat
später für das Dt. Jugendmedienwerk sowie die Stiftung Lesen gearbeitet.
*Anmerkung
der Autorin:
Ohne festen Kern können Wassertropfen nicht entstehen, das ist physikalisch
nachgewiesen.





